Nach über einem halben Jahr melde ich mich hier aus gegebenem Anlass mal wieder, auch wenn mein Blog aus Mangel an neuem Inhalt nicht mehr sehr oft besucht wird. Mal schauen evtl. wird sich ersteres ja ändern.
Kurzes Update über mich: Gestern habe ich die erste Klausur zum Abschluss des ersten Semesters in Elektrotechnik geschrieben welches ich seit März in Künzelsau studiere.
Nun zum Grund des Bruchs meiner Funkstille:
Seit dem schrecklichen und schwer nachzuvollziehenden Amoklauf in Winnenden hat sich die Politik wieder, trotz angekündigtem “besonnenem Vorgehen” und dem Verzicht auf “politische Schnellschüsse” mit Debatten, Gesetzentwürfen und Gesetzen geradezu überschlagen. Leider, obwohl bei einem solchen Thema absolut nicht angebracht, spielt hier der Wahlkampf im “Superwahljahr 2009″ meiner Meinung nach nicht bloß eine Nebenrolle.
So etwa ruderte die Politik (mit ausnahmen von Wiefelspütz ) vom geplanten Gesetzentwurf gegen Paintball schnell zurück als ihnen der gut organisierte Widerstand der Paintballszene entgegen schlug und ihnen bewusst wurde, dass ein breiter Teil der (Wahlberechtigten-) Bevölkerung das Verbot von Paintball, welches in keinem Zusammenhang mit Amoklaufen steht, ablehnt. So erkannte etwa die CDU in einer Presseerklärung:
„Es gehen Banker, Studenten, Anwälte und viele andere Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen Paintballspielen und nicht etwa nur eine bestimmte Zielgruppe, die potentiell als Straftäter gefährdet ist“
Dieser Zusammenhang ist durchaus bemerkenswert: Wie die CDU richtig erkennt, geht von Paintballspielern keine potentielle Gefahr für die Allgemeinheit aus. Aber wie schaut das bei Computerspielern aus? Nun gibt es meines Wissens z.Z. keine konkreten Pläne Ego-Shooter oder ähnliches zu verbieten, jedoch flammt die Diskussion darüber in regelmäßigen Abständen erneut auf.
Sind Computerspieler eine “…Zielgruppe die potentiell als Straftäter gefährdet ist.”? Ich denke nicht! Richtig ist, dass die Amokläufer an deutschen Schulen, wie Millionen anderer Jugendlicher auch, Ego-Shooter gespielt haben. Doch ist das Spielen von solchen Computerprogrammen, wenn überhaupt, wohl nur ein Faktor von vielen, in einem für Psychologen nach wie vor nicht vollständig nachvollziehbaren Geflecht an Auslösern und Beweggründen.
Trotzdem gibt es immer wieder Meldungen über das Verbot von sog. LAN-Partys, wie in einem aktuellen Fall in Karlsdorf-Neuthard. Die bereits zum 14. Mal stattfindende CXT LAN-Party musste vom Veranstalter abgesagt werden, da es der Bürgermeister nach Vertragsabschluss zur Auflage machte, dass keine “Killerspiele” gespielt werden. Nun muss man wissen, dass es eine Altersbeschränkung von 18 Jahren für die Veranstaltung gibt und somit nur erwachsene Personen Zugang zu der Veranstaltung gehabt hätten. Es war geplant auf der Veranstaltung Computerspiel-Wettbewerbe zu veranstalten, es stand also der sportliche Vergleich im Vordergrund. Meiner Ansicht nach hat sich in diesem Fall, wie in den meisten anderen Verbots- und Verhinderungsfällen von LAN-Partys, die Gemeindeverwaltung selbst einen Bärendienst erwiesen. Sie hat einem jungen, motivierten Team, dass Verantwortung übernimmt und gesellschaftliche Veranstaltungen organisiert, Steine in den Weg gelegt und gleichzeitig hunderte junge Erwachsene davon abgehalten sich auf einer friedlichen Veranstaltung auszutauschen und im sportlichen Wettkampf zu messen. Stattdessen werden verm. viele nun daheim sitzen und alleine über das Internet mit anonymen Gegnern die gleichen Spiele spielen.
Soweit hat die Verwaltung dabei wohl nicht gedacht, wobei man ihr dafür nicht unbedingt einen Vorwurf machen kann. Sie hat vielmehr dem Druck der (älteren) Öffentlichkeit nachgegeben, die sich aufgrund von 10 sekündigen Videoschnipseln in den Nachrichten ihre Meinung bildet und selbst den Computer gar nicht oder nur z.B. zum Schreiben von Briefen benutzt.
Interessant wird die ganze Sache aber durch einen anderen Umstand:
Am 8.8. findet in Karlsdorf-Neuthard das 30. Internationale Jugendturnier des dort ansässigen Schützenvereins statt. Nun hab ich persönlich nichts gegen Schützenvereine, im Gegenteil, nur frag ich mich ob hier nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Jugendliche, z.T. nach den Bildern zu urteilen um die 12 Jahre, messen sich hier mit äußerster Präzision und echten! Waffen im Wettkampf, während volljährigen Erwachsenen ein vergleichbarer Wettkampf im virtuellen Raum untersagt wird. Auch sollte man sich vor Augen halten, dass ein Amoklauf nur mit entsprechender Erfahrung und Training an echten Waffen (sowie dem Zugang zu diesen) möglich ist. Aufmerksam machen möchte ich in diesem Zusammenhang auf das Bild einer Siegerehrung der letztjährigen Schützenveranstaltung auf der Homepage des Vereins. Ein Jugendlicher in Springerstiefeln und in Flecktarnhose der verm. ob seiner Präzision beim Schießen ausgezeichnet wurde. Also ich würde so jemanden lieber auf einer LAN-Party sehen als mit einer Waffe in der Hand am Schießstand.
Angesichts dieser Tatsachen würde mich die Begründung des Bürgermeisters zum Verbot der CXT interessieren. Auch frage ich mich ob ein solches Verbot nicht unverhältnismäßig ist und eine Bevölkerungsgruppe dadurch diskriminiert wird. Ich halte es für äußerst bedenklich, dass Politiker in Deutschland die Freiheit vieler Leute einschränken, indem sie Dinge verbieten zu denen sie keinen Bezug und meist keine oder nur wenig Ahnung davon haben.